
Als ich in den Wald trete, schmiegt sich die Luft wie ein sanfter Schal um mich. Über dem Boden singen kleine Windträume durch das Laub, ein leises Rascheln, das sich wie ein geheimnisvolles Flüstern anhört. Die Füsse tasten den moosigen Pfad, weich und klebrig vom feuchten Gras, das nach Erde schmeckt – warm und erdig, als würde der Boden mir Geschichten erzählen. Der Duft steigt mir entgegen: feuchte Rinde, hakiges Holz, darunter eine Spur von Pilz, gemischt mit frischen Kieferntratsch. Es riecht nach Regen, der sich gerade noch auf dem Blattwerk gesammelt hat, nach Waldduft, der sich in der Luft verteilt wie ein grünes, beruhigendes Versprechen.
Die Augen nehmen Formen wahr: Schatten, die sich zwischen den grossen Baumstämmen bewegen, Lichtstreifen, die wie goldene Fäden durch das Blätterdach ziehen. Ein Vogel zieht einen kurzen, klaren Pfiff durch die Stille, irgendwo plätschert ein kleiner Bach, dessen Klangbild sich in mein Herz setzt – fliessend, ruhig, beständig. Auf der Haut spüre ich die kühle Feuchtigkeit der Luft, die mir an den Handgelenken entlang zieht. Die Hände berühren Rinde, rauh und kalt, krümelig mit Moos, das sich wie ein weiches Tier unter den Fingern anfühlt. Ein Blatt, das ich sanft in die Ferne heben, fühlt sich glatt an, mit feinen Unebenheiten wie winzige Flüstertäfelchen, die erzählen, wie oft der wind hier schon vorbeigeflogen ist.
Ich gehe weiter und der Wald öffnet sich in Farben: ein tiefes Grün, das fast wie eine eigene Sprache spricht, dazu das Gelb der Farne, das Rot von herabgefallenem Blattwerk, das sich am Boden sammelt und mit jedem Schritt knistert. Ein kurzer Gedanke, der sich wie ein Funken durch den Wald zieht: Wo Schatten atmen, kehrt die Stille zurück und jeder Schritt wird zum versäumten Gedicht. Zum Ende hin finde ich eine Lichtung, eine kleine Bühne der Natur. Die Luft wird leichter, als hätte der Wald mir ein Versprechen gegeben: Ruhe im Rhythmus des Atmens, Frische im Blick und Wärme im Herzen.



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